Therapie der Gastritis in der Schulmedizin

Hemmung der Säuresekretion

Schulmedizinisch ist es üblich, Magengeschwüre durch die Hemmung der Säuresekretion zu behandeln. Sehr oft wird das mit der Gabe von Antibiotika  verbunden. Da die pharmakologische Forschung auch hier zum überwiegenden Teil erfolgt, um Menschen behandeln zu können, gibt es nur wenige Präparate, die bei Tieren sinnvoll verwendet werden können.

Antacida, mit denen man die Säurekonzentration direkt und sofortig senkt, sind durch die dabei entstehenden Gase bei Pferden ungeeignet. (z.B. Bullrich Salz®, Alkala®) Bei Hunden geht es, scheitert aber an der mangelnden Akzeptanz für eine genügend häufige Gabe. Hunde fressen es nicht. (Außerdem sind sie für Tiere nicht zugelassen.)

Parasympatholytika, deren bekanntester Vertreter das Atropin ist (zuerst synthetisiert aus der Pflanze Atropa Belladonna, der Tollkirsche), hemmen hauptsächlich die sogenannte basale Sekretion. Sie verringern die Säuremenge, die zwischen den Mahlzeiten abgegeben wird. Da es bei Menschen nicht so bedeutend ist, wurden diese Medikamente nicht weiterentwickelt.

Verschiedene Botenstoffe stimulieren die Freisetzung von Salzsäure im Magen. Deshalb können alle Stoffe, die diese Botenstoffe oder ihre Übertragungswege hemmen, die stimulierte Säuresekretion verringern.

Histamin-Antagonisten verringern die Menge der Salzsäure im Magen, indem sie die Rezeptoren besetzen, ohne eine Reaktion der Zelle auszulösen. Die neueren Medikamente Ranitidin (Sostril®) und Famotidin (Pepdul®) hemmen recht selektiv die Untergruppe der Histamin-Rezeptoren im Magen (H2-Rezeptoren) und haben so nur noch geringe Nebenwirkungen. Allerdings sind auch sie nicht für Tiere zugelassen.

Zugelassen für Tiere ist nur ein irreversibler Hemmer des Transportmoleküls, das die Protonen in den Magen schleust: Omeprazol (GastroGard®),

. Bei diesem Medikament kann der Körper nur durch Neusynthese des Transporters die Wirkung aufheben - das erklärt die sehr lange Wirkungsdauer dieses Medikamentes im Vergleich zu den Blutspiegeln.

Omeprazol wird einmal täglich mit dem Futter gegeben. Weil es durch Leber und Niere verstoffwechselt und abgebaut wird, sollte es bei Leber- und Nierenschäden nicht angewendet werden. Die Behandlung mit diesem alles andere als günstigen Mittel sollte über Wochen durchgeführt werden. Zur Prophylaxe der Ulcera der Schlittenhunde wird es inzwischen erfolgreich eingesetzt, führt jedoch häufiger zu Durchfall.

Bei therapeutischen Dosierungen soll Omeprazol gut verträglich sein. (Der Langzeiteinsatz wie zur Therapie wurde allerdings nicht toxikologisch untersucht.) Kurzfristige Überdosierungen vertragen Pferde anscheinend. Bei kurzdauernder, extrem hoher Dosierung entstanden bei Labortieren Magentumore und carcinoide Entartungen.

Antacida

sollten andererseits auch nicht langfristig angewendet werden, um die Besiedlung des Magens mit Bakterien und Keimen zu verhindern.

Sucralfat (Ulcogant®) ist das Aluminiumsalz des Saccharosesulfates. Bei seiner Anwendung entsteht ein schützender Film über der Magenschleimhaut und über einem Ulcus. Die Schleimhaut wird so vor dem Magensaft geschützt. Nebenwirkungen sind Verstopfung durch das Aluminium und eine verringerte Aufnahme anderer Substanzen. Sucralfat soll daher strikt 2 Stunden vor dem Fressen gegeben werden, und auch zu anderen Medikamenten soll ein deutlicher zeitlicher Abstand eingehalten werden. (Kochgeschirr aus Aluminium, das im 20. Jahrhundert eine Zeitlang sehr modern war, geriet in Verruf, weil deutlich mehr Magen- und Dünndarmgeschwüre auftraten. Auch im Homöopathischen Arzneimittelbild sind Magen-und Darmgeschwüre enthalten.)

 

Autor: THP Ulrike Eckert