Alterung bei Tieren durch Störungen des Bindegewebes?

Als Ursache von Alterungsprozessen gelten inzwischen meist Durchblutungsstörungen. Auch für viele chronische Erkrankungen nimmt man sie als Ursache an. Das klingt sehr logisch. Es erklärt aber nicht, warum bei einem Lebewesen im Laufe des Lebens diese Störungen entstehen, so dass es älter wirkt als es ist, während ein anderes fröhlich und recht gesund ein hohes Alter erreicht.

Die in den Lehrbüchern übliche Darstellung der Versorgung und Ernährung eines Gewebes sieht so aus: zwei Zellen, eine Blutkapillare, und zwischen Zelle und Kapillare ein leerer Raum. Nährstoffe und Sauerstoff können problemlos jede Zelle durch diese Leere erreichen. Diese Darstellung ignoriert die Extrazelluläre Matrix, das Grundsystem aus Bindegewebe, in das jede einzelne Körperzelle eingebettet ist.

DAS BINDEGEWEBE

Es wird anatomisch in straffes, lockeres und reticuläres Bindegewebe unterteilt (und dem entsprechendem Fettgewebe). Bindegewebe ist zur Erhaltung des Körpers und der Fortbewegung notwendig. Es sorgt dafür, dass die Zellen eines Gewebes am passenden Ort bleiben. Ohne Bindegewebe gäbe es keine Unterteilung in Organe. Aber auch zur Regulation des Stoffwechsels und der Ernährung der einzelnen Zellen hat es eine wichtige Funktion. Ein Mensch besteht zu etwa 80% aus lockerem Bindegewebe.

Jedes Organ besteht aus Zellen, Bindegewebe (dem ,Organskelett‘) und Interzellularsubstanz (einer Unterform des Bindegewebes). Sie verleihen einem Gewebe die charakteristische Form und die Fähigkeit, seine Aufgaben zu erfüllen. Bei manchen Geweben ist es die Hauptaufgabe der Zellen, Interzellularsubstanz zu synthetisieren, wie bei Knochen- und Knorpelgewebe.

DIE INTERZELLULARSUBSTANZ

besteht aus Grundsubstanz und Fasern. Kollagenfasern, elastische und reticuläre Fasern werden je nach Aufgabe und Gewebetyp gefunden, wobei das lockere reticuläre Bindegewebe eine Zwischenstufe zwischen straffen Kollagenfasern und elastischen Faser einnimmt. Die Interzellularsubstanz wird auch Extrazelluläre Matrix (Matrix) genannt.

EXTRAZELLULÄRE MATRIX ALS LEBENSRAUM DER ZELLEN

Das Bindegewebe gibt den Organen Form und Struktur, wie man zum Beispiel sehr deutlich am Aufbau eines Muskels aus einzelnen Muskelfasern, an der Anatomie der Lunge, der Leber oder Nieren oder eines Lymphknotens sehen kann. Nerven, Blutgefäße und Lymphgefässe haben keinen direkten Kontakt zu den Zellen eines Organs. Substrate und Nährstoffe müssen durch die Matrix diffundieren, um die Gewebe zu versorgen. Botenstoffe der Nerven und Hormone müssen diese Strecke überwinden, und die Abbauprodukte der Zellen ebenfalls. Jede Zelle ist auf die Versorgung durch die Matrix angewiesen: die Matrix ist der Lebensraum der Zelle. Deshalb sind Veränderungen der Matrix - wie zum Beispiel Übersäuerung - für Zellen so schädlich.

AUFBAU DER MATRIX

Die Grundsubstanz der Matrix besteht zum größten Teil aus komplex aufgebauten Zuckermolekülen, den Glucosaminoglykanen (GAG) und Proteoglykanen (PG). Vernetzungsglykoproteine wie Fibronektin und Adhäsionsproteine stellen einen weiteren Bestandteil dar. Alle Moleküle der Grundsubstanz sind sehr langlebig. Ihre Erneuerung ist Teil der Reaktionen des Organismus auf die Umwelt: durch die Veränderung der Zusammensetzung kann die Matrix den Lebensbedingungen angepasst werden.

Jede Zelle trägt auf ihrer Membran die sogenannte Glykokalyx. Es handelt sich dabei um Membranmoleküle, die in die Grundsubstanz hineinragen und mit ihr reagieren. Sie verbinden das Zellinnere mit der Extrazellulären Matrix. Manche Wissenschaftler gehen so weit zu sagen, dass ,Zelle‘ ohne die sie umgebende extrazelluläre Matrix nicht verstanden werden kann.

"REAKTIONSSTARRE"

Im Laufe des Lebens anfallende ,Schlackenstoffe‘ und aufgenommene Schwermetalle können die Lebensdauer der GAG und PG der Matrix verlängern - sie kann nicht verändert werden. Der Organismus ist unfähig zu einer passenden Reaktion. So kann die Reaktionsstarre bei chronischen Krankheiten erklärt werden.

VERÄNDERUNGEN DER MATRIX WERDEN AN DAS GEHIRN WEITERGELEITET

Alle Veränderungen der Matrix werden von den dort blind endenden Nerven registriert und in das ZNS weitergeleitet. Auch das Hormonsystem reagiert auf Veränderungen der Matrix, weil die Rezeptoren unterschiedliche Konzentrationen an Hormonen durch unterschiedlich starke Bindung in der Matrix messen. Auch die Transportleistung von Molekülen durch die Matrix kann sich ändern und wird von den Nerven registriert. Das bedeutet, dass die Verbindung zwischen Körper und Geist (beziehungsweise Matrix und ZNS) so eng ist, dass jede körperliche Veränderung im ZNS bemerkt wird, und krankhafte Veränderungen des ZNS im Körper Reaktionen auslösen. Für einen ganzheitlich arbeitenden Therapeuten ist das nichts neues.

STOFFWECHSELSTÖRUNGEN

Veränderungen der Zuckermoleküle der Matrix können auch besonders bei Verwertungsstörungen von Glucose auftreten. Diabetes kommt bei Hunden und Katzen vor; Pferde leiden unter EMS. Die dabei gebildeten Schlackenstoffe sind extrem langlebig und können so die Matrix stören. Aber auch jedes lokale Störfeld - wie zum Beispiel ein fauler Zahn, eine Sinusitis oder die Kastrationsnarbe - belastet das gesamte Grundsystem, weil durch die örtlichen Nerven die Störung an das ZNS weitergeleitet wird und dieses wiederum die gesamte Matrix innerviert.

FAZIT

Durchblutungsstörungen, die Organfunktionen behindern und Alterungsprozessse hervorrufen, können also durch das System der Matrix erklärt werden. Ein gesunder Zustand der Matrix ist für die Versorgung der Organe notwendig. Ihr tatsächlicher Zustand ist individuell unterschiedlich und von den im Laufe des Lebens aufgenommenen Schadstoffen ebenso abhängig wie vom genetischen Erbe. Eine erfolgreiche Therapie muss demnach die Matrix berücksichtigen, andernfalls kommt es zum Therapieversagen. Die klassischen Ausleitungsverfahren können dabei ebenso hilfreich sein wie die angemessene Gabe von Zwischen- und Reaktionsmitteln in der Homöopathie, die Regulierung des Milieus in der Sanum-Therapie oder die Unterstützung einer Akupunkturbehandlung mit phytotherapeutischen Mitteln.

 

Author: THP Ulrike Eckert

 

Quellen:

Das System der Grundregulation, A. Pischinger, H. Heine, O. Bergsmann, F. Perger,

Haug 2009

Lehrbuch der biologischen Medizin - Grundregulation und Extrazelluläre Matrix, H. Heine, Hippokrates 2006

Der Störherd und seine Entstörung - Wege aus der Therapieresistenz, 2. Auflage, Beate Strittmatter,

Hippokrates