Magengeschwüre und Gastritis beim Hund

Symptome von Magengeschwüren und Diagnostik

Die Symptome von Magengeschwüren sind bei Hunden meistens unspezifisch und oft auch unauffällig. Einzig Bluterbrechen ist ohne aufwendige Diagnostik eindeutig erkennbar und gilt als genügend, um eine entsprechende Therapie zu beginnen. Weitere Symptome sind:

  • Unbehagen nach dem Fressen
  • wechselnder Appetit - heute alles, morgen nur ein Häppchen oder nichts
  • viel und häufig trinken. Das verringert die Konzentration der Säure im Magen, also die Aggressivität der Magensäfte, und mildert so die Schmerzen.
  • häufiges (!) Grasfressen oder Fressen unverdaulicher Dinge. (Seltenes Grasfressen deutet nicht unbedingt auf Magengeschwüre hin. Manchmal scheinen Hunde auch aus Futterneid oder Langeweile Gras zu fressen, wenn man zum Beispiel an der Weide steht und den Pferden zusieht.)
  • häufiges Erbrechen. (Das Erbrechen von unverdaulichen Teilen des Futters ist physiologisch. So werden z.B. Knochenteile entsorgt (meistens morgens, im Rahmen der so genannten „Reinigungskontraktionen“ des Magens)
  • Bluterbrechen, sei es frisch oder schon angedaut (kaffeesatzeartig), und "Teerstuhl" (Meläna) sprechen für tiefere Läsionen, bei denen Blutgefäße eröffnet wurden. Bluterbrechen gilt als beweisend für Magengeschwüre. Wenn Bluterbrechen bei hungernden Hunden vorkommt, kann es sein, dass das Blut nicht 
  • verdaut wurde, weil die Produktion von Pepsin und Salzsäure durch Fressen induziert wird. Helles Blut wird vom Halter leicht erkannt.
  • Druckschmerzhaftigkeit der Magengegend und im Bereich der Wirbelsäule (vor allem im Bereich des Magen). Das wird durch viscerosomatische Afferenzen der Nerven des Rückenmarkes vermittelt (Ventromedianäste der Rückenmarksnerven). Durch die gemeinsame Umschaltung mit den Dorsomedian- und Dorsolateralästen wird die Schmerzhaftigkeit im Rahmen der Head‘schen Zonen auch auf die Muskulatur und die Haut projiziert. (Eine schulmedizinisch übliche Anwendung dieser Druckschmerzhaftigkeit in der Diagnostik sind die Fremdkörperproben bei Kühen, bei denen eine erhöhte Empfindlichkeit des Rückens bei Entzündungen derHaube und des Pericards durch (spitze) Fremdkörper auffällt).
  • Abmagerung. Diese erfolgt mehr durch die mangelnde Futteraufnahme als durch einen Protein- oder Blutverlust. Die Abmagerung der Hunde bei Magengeschwüren und chronsicher Gastritis ist ein eher schleichender Prozess, der dem Tierhalter selbst oft nicht auffällt.
  • auffälliger Foetor ex ore - stinkender Geruch aus dem Maul (ohne dass faule Zähne die Ursache dafür sind)

Labordiagnostik bei Magengeschwüren

Labordiagnostisch sind Magengeschwüre bei Hunden unauffällig und nicht eindeutig nachweisbar.

Lediglich bei blutenden Ulcera kommt es zu einer Anämie, die zunächst regenerativ ist. Einen erhöhte Zahl von Reticulozyten fällt im Roten Blutbild auf. Bei längerer Dauer wird die Anämie auch nichtregenerativ und mikrozytär: es fehlt dem Körper die Zeit und die Reserven, die Blutverluste mit "regelrecht erwachsen" gewordenen Roten Blutkörperchen zu ersetzen.

Bei großflächigen Veränderungen der Magenschleimhaut kann es auch zu einer perniziösen Anämie aufgrund eines sekundären Thiaminmangels kommen. Die Schleimhaut der Fundusdrüsenzone bildet den Intrinsic Factor, der zur Aufnahme des Vitamin B12 (Thiamin) im Darm notwendig ist. Ein Vitamin B12-Mangel kann kann also einen Hinweis auf eine chronische Gastritis bedeuten (oder auf eine chronische Darmerkrankungen hinweisen).

Bei chronischen Magenentzündungen kann man auch eine Hypoproteinämie finden, also einen Mangel der Eiweißfraktion im Blut. Diese kommt eher aufgrund einer Mangelernährung durch den mangelnden Appetit der Hunde zustande als durch Blutverlust.

Beweisend für Magengeschwüre bei Hunden ist lediglich die Endoskopie und die Laparotomie. Eine Röntgenuntersuchung ist nicht eindeutig. Auch eine Doppelkontraststudie (Bariumkontrastmittel zunächst und anschließend „Aufpumpen“ mit Luft, um feststellen zu können, wo Kontrastmittel länger an der Schleimhaut haften, ist nicht eindeutig.) An einer gesunden, glatten Schleimhaut haftet Bariumkontrastmittel nicht. Doppelkontrast ist sehr aufwendig, vor allem zeitaufwendig, und wird deshalb in einer tierärztlichen Allgemeinpraxis nur in Ausnahmefällen durchgeführt. Eine Ultraschalluntersuchung kann Hinweise bieten, wenn durch eine chronische Entzündung die Magenwand verdickt ist. Allerdings kommt diese Verdickung nicht in allen Fällen vor.

Nicht selten sind Magengeschwüre bei Hunden mit anderen Erkrankungen verbunden: Schleimhautgeschwüre im Magen-Darm-Trakt sind für Nierenerkrankungen typisch. Dabei kann der bei der Eiweißverdauung anfallende Ammoniak nicht ausgeschieden werden. Ammoniak ist ein starkes Zellgift. Geschwüre entstehen auch an anderen Stellen, sind aber am auffälligsten im Maul.

Bei Lebererkrankungen können zusätzlich auch Magengeschwüre auftreten.

Bei manchen endokrinen Erkrankungen der Hunde können Magengeschwüre eine Komplikation darstellen: z.B. beim Cushing-Syndrom (erhöhter Cortisol-Spiegel im Körper, sei er endogen oder durch Medikamente verursacht).

Oft findet man die entscheidenden Hinweise, die zu der Verdachtsdiagnose Magengeschwür führen, in der Anamnese: Stress wie z.B. lange, belastende Erkrankungen; Klinikaufenthalte, Ferienpensionen, Umzug, neue Familienmitglieder oder Tiere; Angst; Überforderung durch Training und Ausbildung … Medikamente (siehe unten).

Ursachen für die Entstehung von Magengeschwüren

Die häufigsten Ursachen für die Entstehung von Magengeschwüren bei Hunden sind der Rückfluss von Galle aus dem Dünndarm und die unerwünschten Wirkungen von Medikamenten. Schmerzmittel und Entzündungshemmer werden schulmedizinisch bei Hunden sehr oft eingesetzt. Viele Hunde vertragen diese Medikamente nur sehr kurzfristig oder gar nicht. Je länger sie angewendet werden, desto größer wird die Gefahr von Magen- und Darmulzera.

Auch Cortisol hemmt die Bildung des schützenden Schleimes im Magen. Ein erhöhter Cortisolspiegel im Körper kann Magengeschwüre unterhalten oder sogar auslösen. Die Ursache für einen erhöhten Cortisolspiegel bei einem Hund ist dabei zweitrangig (endogen durch Stress, durch ungeregelte Produktion (z.B. ein hormonproduzierender Tumor) oder iatrogen als Schmerzmittel oder zur Allergieunterdrückung gegeben.

Stress verändert die Durchblutung im Verdauungstrakt und damit auch die der Magenschleimhaut. Im Rahmen der „Fight or Flight“-Reaktion unter Adrenalinwirkung wird Blut in die Muskulatur umverteilt. Es steht damit dem Verdauungstrakt nicht zur Verfügung.  Eine verringerte Durchblutung der Magenschleimhaut bedeutet auch eine geringere Synthese des schützenden Schleimes.

Inwieweit auch Bakterien wie Helicobacter pylori und Gastrospirillum-Spezies an der Entstehung von Magenulcera bei Hunden beteiligt sind, ist nicht völlig geklärt. Bei vielen Hunden kann Helicobacter nachgewiesen werden, auch bei solchen, die kein Magengeschwür haben. Andererseits können diese Bakterien anscheinend Entzündungen zumindest unterhalten. Nach Antibiotikatherapie verheilen Magengeschwüre oft (wenigstens kurzfristig), was auf eine zumindest verstärkende Wirkung dieser Bakterien hindeutet.